Schreibübungen


Geht es dir auch manchmal so?
Man möchte losschreiben und gleich mit einem perfekten Satz starten.
Doch meist beginnt es mit einem Zögern, einem Gedanken, der noch keinen Namen hat, oder mit dem Gefühl, dass da etwas ist, das geschrieben werden will, aber noch keinen Raum gefunden hat.

Die folgenden Schreibübungen sind Einladungen.
Sie wollen dich nicht verbessern, beschleunigen oder optimieren.
Sie sollen dich ins Schreiben bringen, deine Wahrnehmung schärfen und dir helfen, deiner eigenen Stimme näherzukommen.

Jeder von uns weiß, wie groß ein leeres Blatt werden kann 😅

1. Die 10-Minuten-Wahrheit
Ziel: Schreibhemmungen lösen und den inneren Kritiker stumm schalten 😉
Ablauf: Stell dir einen Timer auf 10 Minuten.
Schreibe ohne Pause über folgende Frage:

Was würde ich schreiben, wenn ich keine Angst hätte, gelesen zu werden?

Nicht löschen. Nicht korrigieren. Nicht zurückgehen.
Wenn dir zwischendurch nichts mehr einfällt, schreibe einfach, dass dir nichts mehr einfällt, bis es weitergeht. Hauptsache der Schreibfluss bleibt aufrecht.
Der Text darf gerne roh sein. Genau das ist der Punkt.

Zum Schluss: lies ihn und lass dich überraschen, was da kommt.
Dies ist eine Art des Intuitiven Schreibens. Du kannst das auch gleich nach dem Aufstehen machen, einfach 10 Minuten losschreiben, ohne jedes Ziel.

2. Der falsche Anfang
Ziel: Perfektionismus aushebeln und ins Schreiben kommen.
Ablauf: Beginne deinen Text mit einem bewusst schlechten ersten Satz.

Zum Beispiel:
Das hier ist wahrscheinlich kein guter Anfang, aber ich schreibe ihn trotzdem.
Erlaube dir, dass der Text von dort aus einfach weiterläuft. Wenn dir nichts anderes einfällt, auch mit einem zweiten schlechten Satz 😉

Der erste Satz darf später verschwinden oder bleiben.

3. Tür auf & Sinne an
Ziel: Wahrnehmung schärfen, präzise Sprache finden, Atmosphäre aufbauen.
Ablauf:
Gehe wirklich vor die Tür. Stell dir einen Timer auf 10 Minuten reines Sammeln.
Schreibe alles auf, was du wahrnimmst: Geräusche, Gerüche, Licht, Temperaturen, Oberflächen, Bewegungen, Geschmäcker. Nichts bewerten, nur notieren.

Markiere anschließend fünf besonders starke Eindrücke.
Schreibe daraus eine Szene mit etwa 300 Wörtern, in der alle fünf vorkommen.

4. Schreiben aus der Sicht eines Gegenstands
Ziel: Perspektivwechsel üben und Figuren indirekt erfahrbar machen.
Ablauf:
Schließe die Augen und denke an eine Person, die du sehr gut kennst.
Stell sie dir konkret vor: Bewegungen, Gesten, Stimme, kleine Eigenheiten.
Überlege dann, welchen Gegenstand diese Person fast immer bei sich trägt:
eine Uhr, ein Schmuckstück, eine Tasche, einen Schlüsselbund oder auch das Smart Phone.

Schreibe eine kurze Geschichte oder Mini-Szene aus der Sicht dieses Gegenstands.
– Wie sieht er die Person?
– Welche Momente erlebt er mit?
– Was weiß er über sie, was andere nicht wissen?
– Was fühlt er, wenn er abgelegt oder verloren wird?
Beschreibe die Stimmung der Person nur über Beobachtungen.
Der Gegenstand erklärt nichts. Er erzählt, was er wahrnimmt.

5. Der Satz, den ich nie sage
Ziel: Tiefe, Ehrlichkeit und emotionale Präzision.
Ablauf: Schreibe einen einzigen Satz, den du normalerweise nicht laut sagen würdest.
Beginne mit:
Ich traue mich kaum, das zu schreiben, aber …
Wenn du willst, darf daraus ein Text entstehen, der beispielsweise nach dem Warum sucht.
Wenn nicht, bleibt er stehen. Auch das genügt.

Einladung zum Teilen
Wenn du mit einer dieser Übungen gearbeitet hast und dein Text einen Platz sucht, bist du eingeladen, ihn weiterzugeben.
Du kannst ihn
– im Blog dieser Website teilen oder
– mir per E-Mail schicken, wenn du dir wertschätzendes Feedback oder einen ehrlichen Austausch wünschst.

Schreiben ist kein einsamer Akt. Lass uns in Verbindung treten 🙂